Projekt „Ausbildungsplatz: Kopftuch inklusive - Mädchen schulen Arbeitgeber“

 

„Jeder dritte Arbeitgeber lehnt Frauen mit Kopftuch ab“.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Päd. Hochschule Freiburg. Die Rede ist von einer „massiven Einschränkung der Ausbildungschancen“, so Studienautor Prof. Albert Scherr.

Diese Tatsache war Ausgangspunkt unseres Projektes, das von August 2015 bis Januar 2016 in Bonn umgesetzt wurde mit einer Gruppe von muslimischen Schülerinnen im Ausbildungsalter mit überwiegend türkischem Familienhintergrund aus Bonn.

Das Problemfeld Kopftuch/Ausbildungsplatz wurde gemeinsam mit ihnen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet (Interviews mit Gleichaltrigen u. Arbeitgebern, Auseinandersetzung mit Diskriminierung, Medienrecherche über vorgeschobene Argumente gegen die Beschäftigung von Kopftuchträgerinnen etc.), um im darauffolgenden Schritt angemessene Maßnahmen für eine Veränderung zu planen und durchzuführen.

In der 2. Phase informierten die Teilnehmerinnen potentielle Arbeitgeber_innen und ermutigen sie, ihre Voreingenommenheiten bei der Entscheidung zur Ausbildungsplatzvergabe oder bei der Beschäftigung im Rahmen von Praktika abzubauen. Zu diesem Zweck erstellten die Mädchen eine Broschüre, die sich insbesondere an Ausbildungsplatzanbieter/Arbeitgeber wendet. Mit den in der Broschüre dargestellten Argumente appellieren die Mädchen dazu,  Jugendliche mit Kopftuch als Ressource wahrzunehmen und einzustellen. Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam zu machen und die möglichen Voreingenommenheiten in Betriebsverwaltungen abzubauen. Online-Fassung der FiBB-Broschüre

Unsere Ziele

Mit dem Projekt wurden vor allem betroffene Mädchen gestärkt. Sie konnten gemeinsam Strategien entwickeln, um effizient und lösungsorientiert mit dem Problem der Ausbildungsplatzsuche umzugehen und die eigenen Vorstellungen erfolgreicher zu realisieren. Im Kontakt und Austausch mit Ausbildungsplatzanbietern/Arbeitgebern wird zugleich die Chance genutzt, mögliche Voreingenommenheiten abzubauen, muslimische Mädchen als Ressource wahrzunehmen und sie mehr als bisher bei der Arbeitsplatzvergabe zu berücksichtigen. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Vorstellung der Broschüre im Rahmen eines Pressetermins wurde die Bonner Bevölkerung auf diese Problematik der Ausgrenzung und die damit verbundene Ressourcenverschwendung aufmerksam gemacht. Dazu erschienen zwei Artikel in Bonner Zeitungen (siehe Hinweis auf der Seite "Aktuelles".

Konkrete Aktivitäten und Maßnahmen
  • Die achtköpfige Mädchengruppe traf sich im zweiwöchigen Rhythmus und tauschte sich über Erfahrungen, Strategien und themenrelevante Materialien und Informationen aus. Zudem führten die Mädchen verschiedene Interviews mit gleichaltrigen Jugendlichen, Eltern und Arbeitgebern, die sie auch unter Anleitung auswerteten.
  • Es fanden ergänzende Schulungen zum Thema Anti-Diskriminierung sowie zur Entwicklung von Strategien für den Umgang mit Diskriminierungen statt.
  • Die Mädchen betrieben eigene Medienrecherche und sammelten Argumente gegen die Beschäftigung von Kopftuchträgerinnen; sie entwickelten eine eigene Strategie, um diese zu widerlegen. Diese Arebeiten flossen ein in die Gestaltung der Broschüre für die Sensibilisierung von Ausbildungsplatzanbietern/Arbeitgebern. Diese werden mit der Veröffentlichung über die Projektergebnisse informiert und dazu auffordert, Jugendliche mit Kopftuch als Ressource zu erkennen und mögliche Voreingenommenheiten zu überdenken.
  • Im Projektzeitraum fanden zudem Einzelgespräche mit Arbeitgebern statt. Die Projektgruppe beteiligte sich an Infoständen bei öffentlichen Aktionen zum Thema: Mein Wunschberuf, ich und die Gesellschaft mit Infos über das Projekt.

Das Projekt wurde durch Aktion Mensch gefördert und in Kooperation mit Ditib e.V. in Bonn durchgeführt.

FiBB e.V. plant die Fortsetzung und Ausweitung der Arbeit zum Thema "Integration muslimischer Frauen und Mädchen in Bildung und Beruf", sobald die Möglichkeit für eine weitere Finanzierung besteht.