Das Rucksackprogramm - Interkulturelle Sprachförderung und Elternbildung

Zum Konzept des Rucksackprogrammes

Das in den Niederlanden entstandene und von der RAA (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien) in Nordrhein-Westfalen weiter entwickelte Programm zielt mittels Sprachenförderung und Elternbildung auf eine bessere Integration von Familien mit Zuwanderungsgeschichte. Seit 2015 wird das Rucksackprogramm von den Kommunalen Integrationszentren (KI) koordiniert. FiBB e.V. hat als Träger eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Bonn abgeschlossen und erhält so die Rucksackmaterialien für die praktische Umsetzung des Programms.

Praktisch funktioniert das Programm so: 

Zunächst werden Mütter, die sowohl ihre Familiensprache als auch die deutsche Sprache gut beherrschen, zu so genannten „Elternbegleiterinnen“ ausgebildet. Sie erhalten Materialien in der jeweiligen Familiensprache, mit denen sie 1-mal pro Woche ein Gruppentreffen mit Müttern in der Kindertagesstätte durchführen. Die Mütter werden von den Elternbegleiterinnen "huckepack" mitgenommen, um Verantwortung für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu übernehmen. Die Müttergruppen setzen sich aus durchschnittlich acht bis zehn Müttern pro Gruppe zusammen.

Ein besonderes Element des Rucksackprogrammes ist, dass die Mütter als Expertinnen für das Erlernen der Erstsprache angesprochen werden, nicht orientiert an ihren Defiziten, sondern an ihren Stärken. Die Müttergruppen treffen sich regelmäßig in den Kitas, um unter Anleitung der Elternbegleiterinnen das für den Rucksack zusammengestellte Spiel- und Lernmaterial kennen zu lernen. Dieses Material nehmen die Mütter anschließend – gleichsam im Rucksack – mit nach Hause, um es dort mit ihren Kindern regelmäßig und nach vorgegebenen Anweisungen in der jeweiligen Familiensprache anzuwenden. Darunter sind Spiele, Bilder, Geschichten, Bastelaktionen und Lieder, die Themenbereichen aus der Lebenswelt der Kinder zugeordnet sind. Sie umfassen zum Beispiel die Jahreszeiten, Essen und Trinken oder die häusliche Umgebung. Parallel zur Förderung zu Hause in der Familiensprache werden die Kinder in den Kitas spielerisch in der deutschen Sprache gefördert. Die Anregungen und Spiele kommen aus dem gleichen Themenbereich, der in den Müttergruppen auf der Tagesordnung steht. Das heißt: Die Kinder machen das gleiche in deutscher Sprache, was sie nachmittags mit ihren Müttern in der Familiensprache umsetzen. Die Erfolge sind nicht nur bei den Kindern zu spüren. Die teilnehmenden Mütter freuen sich, dass sie einen Beitrag zur Entwicklung ihrer Kinder leisten können und fühlen sich ernst genommen. Die Kitas profitieren von der besseren Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkräften.

Mehr Informationen zum Rucksackprogramm finden Sie unter  http://www.kommunale-integrationszentren-nrw.de/rucksack-1

FiBB als Träger des Rucksackprogrammes in Bonn

FiBB e.V. koordiniert seit Sommer 2010 in Bonn das Rucksackprogramm mit Elterngruppen in Kindertageseinrichtungen der Stadt Bonn. Im Kindergartenjahr 2015-2016 sind - überweigend in Bad Godesberg und Tannenbusch - insgesamt 19 KiTas/Familienzentren unterschiedlicher Träger (städtisch, AWO, SkF e.V., KJF, evangelisch, katholisch) an 11 Rucksackgruppen beteiligt. Die Rucksackgruppen finden teilweise nur in einer Einrichtung und teilweise als Einrichtungen übergreifendes Angebot im Stadtteil statt. Zunehmend treffen sich Eltern/Mütter verschiedener KiTas in einer Gruppe und nutzen die Gelegenheit zu Austausch und Information mit Gleichgesinnten.

Besonderheiten des Bonner Rucksackprogrammes bei FiBB e.V.

Das Rucksackprogramm fordert Koordinatoren und Träger ausdrücklich dazu auf, neben dem Regelangebot an Materialien und Empfehlungen die Gegebenheiten und den Bedarf vor Ort in die Programmgestaltung einzubeziehen und gegebenenfalls zusätzliche Aktivitäten, Materialien und Themenschwerpunkte anzubieten.

Auch in Bonn haben die Koordinatorinnen von FiBB e.V. die Rucksack-Materialien und vorgegebenen Standards von Beginn an durch zusätzliche Angebote variiert und ergänzt.

Hierzu zählen v.a.

  • die Orientierung am Konzept des vorurteilsbewussten Lernens
  • die Förderung der Literacy-Erziehung durch gezielte Vorleseschulung der Elternbegleiterinnen und der Mütter und durch ein breites und ständig erweitertes Angebot an mehrsprachiger Kinderliteratur
  • die Übersetzung von Kinderbuchtexten in die Familiensprachen der Rucksackmütter
  • die Erstellung und der Einsatz von Wortfeldlisten zu den Themen der Rucksackmaterialien
  • praxisnahe Informationen zu Brauchtum und Feiertagen verschiedener Kulturen und Religionen und Anregungen für Kitas zum interreligiösen Lernen
  • die Vernetzung mit kommunalen Trägern und Akteuren und die Nutzung der dort vorhandenen Ressourcen