FiBB e.V.

Medienkompetenz

Kinder wachsen heute mit zahlreichen digitalen Medien auf. Sie sollen ihnen nicht ausgeliefert sein, sondern lernen, sie bewusst und selbstbestimmt zu nutzen, nicht nur als Konsumierende, sondern ebenso als Gestalter.  Dazu müssen Medien durchschaubar und ihre Funktionen und technischen Möglichkeiten nachvollziehbar sein. Eltern und pädagogische Fachkräfte sind aufgefordert (haben die Aufgabe), diesen Lernprozess verantwortungsvoll zu begleiten. Eine besondere Herausforderung, da Eltern und Fachkräfte in der Regel selbst Lernende sind – in einem Bereich, der sich rasant weiterentwickelt und heute bereits nahezu alle Lebensbereiche beeinflusst. Selbstbestimmter Umgang mit Medien umfasst eine ganze Reihe verschiedener Kompetenzen, die Erziehende sich aneignen müssen, im Interesse einer guten Entwicklung ihrer Kinder. Neben technischem Knowhow zählt dazu u.a. der kritische Umgang mit Medieninhalten ebenso wie Zeitmanagement und bewusste Entscheidung für oder gegen bestimmte Medien und ihre Angebote. Dabei sind sie Vorbild für die Kinder.

Zugewanderte Familien verschiedener Familiensprachen wünschen sich hierbei Unterstützung und fachliche Hilfe, fühlen sich aber von entsprechenden Informations- und Fortbildungsangeboten deutschsprachiger Bildungsinstitutionen oft nicht angesprochen. Grund dafür sind nicht nur Verständnisschwierigkeiten und sprachlich bedingte Unsicherheiten, sie vermissen dort auch Anregungen zu Fragen der mehrsprachigen Mediennutzung. Zugewanderte Familien nutzen mehrheitlich Programme, Apps etc. in der Muttersprache. Medien sind ein Bindeglied zu den eigenen kulturellen Wurzeln und spielen eine große Rolle bei der Kontaktpflege zu entfernt lebenden Angehörigen und zur Familie im Herkunftsland.

Bei seinen medienpädagogischen Projekten bezieht FiBB die besonderen Bedarfe von benachteiligten und zugewanderten Familien gezielt mit ein. Die Angebote sind in der Regel mehrsprachig und werden mehrheitlich von Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund umgesetzt. Sie richten sich an Eltern, Jugendliche und Kinder. Ziel ist es, ein kritisches Medienbewusstsein zu fördern und zugleich Anregungen zu geben für gemeinsame kreative Mediengestaltung.

AKTUELLES PROJEKT

Elterntalk NRW - Lass und reden!

Was ist Elterntalk?

Elterntalk NRW ist ein lebensweltorientiertes Präventionsangebot, das alle Eltern anspricht. Gesprächsrunden im privaten Rahmen zu Erziehungsfragen erreichen auch Eltern, die sich bei institutionell gebundenen Formen der Elternbildung eher zurückhalten. Der ergebnisoffene Erfahrungsaustausch steht im Mittelpunkt. Eltern lernen unterschiedliche Einstellungen und Lösungswege kennen und entwickeln eigene Haltungen und Handlungsmöglichkeiten – ohne Belehrung von außen.

Elterntalk ist kein Vortrag. Ziel ist es, Eltern zum besseren Schutz ihrer Kinder im Sinne des erzieherischen Kinderund Jugendschutzes § 14 SGB VIII zu befähigen, ihnen Unterstützung im Erziehungsalltag zu bieten und sie in ihrer Handlungssicherheit zu stärken.

Wie funktioniert Elterntalk?

Die Gesprächsrunden finden im privaten Rahmen statt. Ein*e Gastgeber*in lädt vier bis acht andere Eltern von Kindern bis 14 Jahren zu sich nach Hause ein. Ein*e Moderator*in führt in das Thema ein und begleitet das Gespräch (den „Talk“). Falls gewünscht, findet der Austausch in den jeweiligen Familiensprachen statt. Dieses Video erklärt, wie Elterntalk funktioniert.
Elterntalk ist kein Vortrag: Eltern bringen eigene Erfahrungen und ihr Wissen ein und sprechen über Erziehungsfragen. Sie sind Expert/innen in eigener Sache.
Durch den Projektträger AJS e.V. wird pädagogisches Material zur Verfügung gestellt. Zu jedem Themen gibt es Bildkarten, die als niedrigschwellige Gesprächsanlässe dienen.
In Bonn fanden bis Ende 2022 416 Talks in 5 Sprachen zu den Themen Fernsehen, Smartphone, Games, Gesund aufwachsen und Pubertät statt.

Wie ist Elterntalk aufgebaut?

Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz NRW (AJS) ist die Projektträgerin und hat als Aufgabe die Unterstützung der STOP und RB, Konzeption, Koordination und Öffentlichkeitsarbeit

Standortpartner (STOP) ist FiBB e.V. im Auftrag des Jugendamtes der Stadt Bonn und hat als Aufgabe die lokale Verankerung und Umsetzung des Projektes in einer Region

Regionalbeauftragte (RB) ist Mona Kheir El Din: Sie ist lokal vernetzt und zuständig für Auswahl, Schulung und Koordination der Moderator*innen.

Moderator*innen (Mod) sind Amal, Derya, Mahmud, Mahsa, Maysa, Muna, Nawal und Sulav. Sie sind Mütter und Väter. Ihre Aufgabe ist die Vorbereitung und Durchführung der Talkrunden

Gastgeber*innen: Sind Mütter und Väter. Sie laden andere Eltern zu sich nach Hause ein.

Weitere Informationen und Materialien zum Bestellen: www.elterntalk-nrw.de

 

Projektzeitraum: Elterntalk startete in Bonn und zwei weiteren Städten im September 2016 als Pilotprojekt für ganz NRW und gehört seit 2023 zum Regelangebot der Stadt Bonn.

Ansprechpartnerin: Mona Kheir El Din / Kindheits- und Sozialwissenschaftlerin, Dipl. Informatikerin, freie Medienpädagogin, kontakt@kheireldin.de, 0228.24291757

Das Projekt wird seit 2023 durch das Jugendamt der Stadt Bonn finanziert. Zwischen 2016 und 2022 wurde das Projekt vom Amt für Integration und Vielfalt der Stadt Bonn finanziert.

 

Abgeschlossene Projekte

BuBiTo
(Buchstabe, Bild und Ton) 

Mehrsprachige Literalität und Medienkompetenz für Kinder von 3 bis 10 Jahren 

Im Projektzeitraum fanden in Kooperation mit 21 Bonner Bildungseinrichtungen rund 400 mehrsprachige Vorleseaktionen und 20 Medienworkshops statt.

Die Vorleseaktionen

In Kindergärten und Grundschulen trafen sich unter Anleitung von geschulten muttersprachlichen Vorleser*innen, feste Lesegruppen von 6-10 Kindern unterschiedlicher Familiensprachen. Gemeinsam erlebten die Kinder dort spannende Geschichten, lernten die Vielfalt von Sprachen und Schriften kennen, stellten ihre Lieblingsbücher vor und tauschten sich aus über die Erzählungen und Bilder in den Büchern. So wurden die Leseaktionen ein Ereignis, bei dem Vielfalt und Verschiedenheit ausdrücklich gewürdigt und zugleich Gemeinsamkeiten entdeckt werden konnten. 

Dabei kamen die folgenden Sprachen zum Einsatz: Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Französisch, Kurdisch, Somalisch, Tamazight und Türkisch.

Kinderbücher in diesen und in vielen weiteren Sprachen stehen in der FiBBliothek (link zu Flyer FiBBliothek) zur Verfügung. 

Die gezielte Förderung der Familiensprache bildet die Voraussetzung für eine gute Entwicklung der Zweitsprache Deutsch, die wiederum unerlässlich für den Schulerfolg ist. Dabei genügt es nicht, dass Sprache als mündliche Umgangssprache erlernt wird, sondern vor allem als Schrift- und Bildungssprache. 

Durch Wertschätzung der Sprache fühlen Kinder und Erwachsene sich willkommen und respektiert. Sie stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder und fördert die Bereitschaft der Familien zur aktiven Teilhabe an einer Gesellschaft, in der sie sich anerkannt fühlen. 

 

Die Medienworkshops

Im Vordergrund der Medienworkshops stand die gemeinsame Aktivität von Eltern und Kindern. Kreative Medienarbeit wurde genutzt, um die Auseinandersetzung der Familien mit dem Thema Medien zu ermöglichen und die Beziehung zwischen Eltern und Kindern zu stärken. Unter Anleitung zweier Medienexpert*innen erstellten Kinder im Alter von 5-10 Jahren zusammen mit ihren Eltern mehrsprachige Bilderbücher, Fotos, Spielvorlagen, kleine Filme, Bilderrätsel und Bildergeschichten. Dabei gaben die Medienexpert*innen Informationen zur Medienerziehung, beantworteten Fragen und gaben Tipps für die gemeinsame kindgerechte Freizeitbeschäftigung in der Familie.

Gemeinsame praktische Medienarbeit zeigt Kindern und Eltern aktive Gestaltungsmöglichkeiten mit Hilfe von Medien auf und fördert dadurch die Medienkompetenz der Familie. Durch die eigene  Auseinandersetzung mit (bewegtem) Bild, Ton und Text wird das Durchschauen von Medienformaten und die kritische Reflexion von medialen Inhalten ermöglicht. Die Teilnehmenden entwickelten gemeinsam vorurteilsbewusste Spiel- und Lernmaterialien, die ihre persönliche Lebenswelt, ihre Erfahrungen, Vorstellungen und Träume wiederspiegeln. Zusätzlich wurde die Medienfachsprache in der Familiensprache und in der deutschen Sprache gefördert. 

Alle Vorleser*innen und Medienexpert*innen wurden im Vorfeld und während des Projektes geschult und fachlich begleitet. Sie müssen gut Deutsch und eine Migrantensprache fließend sprechen. Durch ihren aktiven Auftritt hatten sie Vorbildfunktion für Kinder und Eltern. Angehörige der Mehrheitsgesellschaft erlebten die Expert*innen jenseits der verbreiteten Klischees.

Ein Ergebnis des Projektes ist das zweisprachige Handbuch 

„MedienKreativ – Praxisempfehlungen für Eltern und pädagogische Fachkräfte in Leichter Sprache und auf Arabisch“

Das Handbuch enthält Tipps und Anschauungsmaterial für die Praxis und zeigt, wie man mit Kindern selbst ein Buch basteln, ein Hörbuch gestalten oder eine Kamera nutzen kann, um Fotos und Filme zu machen.

Das Handbuch Medienkreativ finden Sie hier.   

 

Projektzeitraum: 1.3.2014 – 31.3.2016

Ansprechpartnerinnen: Mechthild Kleine-Salgar/ Mona Kheir El Din

Das Projekt wurde gefördert durch die Aktion Mensch